Mein liebes Tagebuch,
heute klingelte mein Nachbar Gunnar an meiner Tür. Er wirkte etwas verlegen und kam nicht wirklich mit der Sprache heraus. Nachdem ich ihn allerdings freundlich zu lächelte, sprudelte er los. Sein Tochter hätte eine Tierhaarallergie, sie wären beim Arzt gewesen weil die Kleine ständig gerötete Augen und Ausschlag gehabt hätte.
Und nun stünden sie vor einem Problem. Dieses Problem hatte den süßen Namen "Sylvester" und war Amelies,Gunnars Tochter, Chinchilla.
Ich ahnte worauf er hinaus wollte.
Und nach dem er weitere 5 Minuten um den heißen Brei herum geredet hatte, kam er endlich zum Punkt. Ob ich denn vielleicht Interesse an dem kleinen Fellbündel hätte? Ich würde auch Käfig und alles an Zubehör dazu bekommen. Es wäre doch so schade wenn man den Kleinen ins Tierheim geben müsste.
Ich stoppte den Redeschwall und entgegnete, das ich mir zumindest das Tier vorher einmal ansehen wollte.
Gunnar grinste, da wusste er wohl schon was dann passiert.
Eigentlich hätte es mir auch klar sein können, wenn ich das kleine, unendlich süße Tierchen sehe, das es dann keine Frage mehr ist ob ich es aufnehme. Amelie, Gunnars Tochter, hatte mir erklärt das Sylvester seinen Namen dem buschigen Schwanz verdankte. Er erinnerte sie an eine Sylvesterrakete. Ansonsten war sie sehr tapfer als ich Sylvester mitnahm. Ich musste ihr allerdings gefühlte 1000 Mal versprechen ja gut auf ihn aufzupassen.
Ach der Kleine Fratz ist so flauschig und total zahm. Simon wird begeistert von dem Kleinen sein. Ich war allerdings sehr froh, das Mozart auf einem seiner Streifzüge war. Ich hoffe das Eifersuchtsdrama hält sich in Grenzen, wenn er Sylvester entdeckt. Ich werde schon auf dich aufpassen, Kleiner.
Nachdem ich einen geeigneten Platz für seinen Käfig gefunden hatte, setze ich Sly (so nenne ich ihn jetzt) hinein und gab ihm noch etwas zum Knabbern.
Ich hatte vor lauter Begeisterung gar nicht gemerkt, das es erneut geschneit hatte. Als ich aus dem Fenster sah bemerkte ich etwas Seltsames. Nicht das Mozart freiwillig im Schnee rumtapste, (das allein nun schon sonderlich genug gewesen wäre) sonder das was er gerade entdeckt hatte. Schmetterling - im Winter?
St.Anna war schon ein sonderliches Örtchen.
Ich wandte mich vom Fenster ab, Mozart würde schon reinkommen, wenn es ihm zu kalt wird.
Ich schnappte mir die Zeitung und las mein Horoskope:
Das hörte sich doch viel versprechend an.
Aber mal ganz ehrlich, stimmt sowas überhaupt? Es gibt einige Menschen die glaube fest an Horoskope und andere lehnen sie ab. Sie tun sie als Spinnereien ab.
Aber ist es nicht so wie mit vielen Dingen im Leben? Wenn sie positiv sind glauben wir gerne daran und stehen auch dazu. Ist jedoch etwas negativ in unserem Leben, ist es unglaubwürdig und gehört nicht zu uns.
Ich für meinen Teil, freue mich einfach wenn gewisse Dinge positiv sind, achte aber nicht verstärkt drauf ob sie auch so geschehen. Wenns es passiert, dann ist das so und hat meiner Meinung nach nicht unbedingt etwas mit den Sternen zu tun. Und das Selbe gilt auch bei Sachen die nicht so toll sind.
(gilt übrigens auch für Zeitungsartikel etc.)
Am Abend hatte sich Simon angekündigt, also musste ich noch etwas Hausarbeit erledigen. Als ich den Müll herausgebracht hatte, kam mir ein Pinguin entgegen.
Nein, ich scherze nicht.
Und hätte ich vorher nicht den Artikel in der Zeitung gelesen, das im örtlichen Zoo einer entwischt war, hätte ich angefangen an meinem Verstand zu zweifeln.
Wem läuft denn auch ein Pinguin über den Weg?
Ich lief ins Haus und informierte den Tierschutz per Telefon über meine Sichtung und gab meine Adresse an.
Es dauerte nicht lange und der Eisfreund wurde eingefangen und abtransportiert.
Ich erhielt dann noch eine Belohnung in Höhe von 50$. Wie reizend.
Und als ob dies nicht genug Aufregung an einem Tag wäre, komme ich zurück ins Haus und erblickte dies:
Ihr könnt euch bestimmt meinen ersten Schreck vorstellen.
Sylvester !!
Mozart hat ihn irgendwie aus dem Käfig bekommen.
Erst auf den zweiten Blick wurde mir klar, das es sich nicht um Sylvesters Leiche handelte, sondern um die Leiche von Mozarts Spielmaus.
Ich hatte mich schon gewundert, das die so lange durchgehalten hatte. Da Mozart nicht gerade zimperlich mit ihr umgegangen war. Ich bückte mich und entsorgte sie als es auch schon an der Tür klingelte.
Simon.
Der restliche Abend verlief ruhig. Simon hörte gespannt meinen Erzählungen des Tages zu. Als ich zu dem Teil mit dem Pinguin kam, musste er herzhaft lachen.
Ach, er war so süß. Ich war definitiv nur von niedlichen, "männlichen" Wesen umgeben.
Und das ich sogar Simons Schnarchen liebte, zeigte mir das ich immer noch auf Wolke 7 schwebte.
Ich kann mir wirklich eine Zukunft mit ihm vorstellen.
Wenn mir das Jemand vorher, bevor ich nach St.Anna kam, gesagt hätte, dann hätte ich denjenigen für verrückt gehalten.
Ida, das ungebundene Mädchen, hat eine feste Beziehung.
Unfassbar und dennoch wundervoll.
Und Simon entwickelte sich immer weiter zum Traummann. Während ich noch selig in den Kissen lag und schlief, bereitete er, am nächsten Morgen, das Frühstück zu.
Die besten Rühreier, die ich je gegessen habe.
Wir planten zusammen die nächste Woche, Kino, shoppen und Freitag Abend tanzen gehen.
Zusätzlich waren wir am überlegen, was wir am Samstag Nachmittag (bis dahin werden wir dann wohl geschlafen haben) unternehmen wollten.
Wir kamen zu dem Schluss, das wir einfach gemütlich zu Hause lungern würden. Wir würden uns etwas Leckeres kochen und einfach mal chillen.
Nach dem Frühstück verzog ich mich ins Bad um zu duschen. In der Zeit machte Simon doch tatsächlich die Betten. (langsam wird er mir unheimlich *lach*)
Aber er hatte mir schon gebeichtet, das er ein sehr ordentlicher Mensch war und nichts rumliegen sehen konnte. Und auch mit dieser Macke werde ich leben können, erstaunlich.
Ich drehte das Wasser zu, trocknete mich ab und zog mich an. Irgendwie war mir schwindelig. Ein komisches Gefühl stieg mir in den Hals. Mir wurde übel.
So stark, das ich mich kurz darauf übergeben musste.
Oh man, was heißt übergeben? Ich kotzte mir die Seele aus dem Hals.
Ich dachte ich könne damit nie wieder aufhören.
Besorgt hörte ich Simons Stimme durch die Tür, er fragte ob alles in Ordnung sei.
Klar habe ich dem zugestimmt. Was sollte ich auch sagen? Dein Frühstück war zum kotzen lecker?
Aber woran lag es das ich mich übergeben musste? Ich bezweifle das es das Frühstück war, denn das war verdammt lecker gewesen und die Eier waren auch frisch. Vielleicht war mein Magen so gutes essen einfach nicht gewöhnt. Schließlich hatte ich ihn Jahrelang mit Müsli malträtiert.
Doch ein ungutes Gefühl blieb, als ich das Bad verließ.
















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